staud’s beschwipste jahresweichsel

ich bin als erste wach und rette mich in einen kapuzenpullover vor der kälte, die beim schreiben in die finger kriecht und an den füßen knabbert. der himmel ist grauer als gestern, als giovanni sagte, er habe das gefühl, alles, was aus seinem mund komme, sei sauer, und luis erwiderte, er auch, während er an einer zitrone lutschte. ich saß drei stunden regungslos am küchentisch und portraitierte den kühlschrank, bis paul kam, als ich eben den schatten der mon cherie packung bearbeitete, die packung nahm, nach inhalt sah und anders wieder zurücklegte.

Bildergebnis für weichsel

es ist zeit, das neue jahr technisch ernst zu nehmen, wenn im email eingang nachrichten von der uni erscheinen. am dritten januar wird also wieder „zu arbeiten angefangen“. einen literarischen text zum jahreswechsel schreiben, sich ein bisschen über den bildschirmrand der welt hinauslehnen und dem himmel beim grausein zuschauen. wenn ich runterfalle, fühlt sich das parkett wie zuhause an und man könnte irgendwie weich landen. aus angst tuts dann trotzdem weh. nüchtern kann man unter umständen am besten besoffen schreiben. unter anderen umständen mitunter nicht. auf andere fälle lassen sich türen mit unverbogenen schlüsseln leichter öffnen. die welt ist die welt vor der wand ist die wand ist die welt hinter der wand. kitschige lieder im radio und raupen auf steinen; tunke den bleistift in milch und schaue dem vater die schwarzen locken ab; die wörter verschwinden in seinem mund und weg; diese raupe ist eine kugelschreiberspiralfeder, sprunghaft und haarig. sie robbt davon. ich sitze im erdbeergeröll, da, im menschlichen minus; esse erdbeeren; woran ist das scheitern gelehnt? und steht es da gut? der kaffee greift meinen magen an, ich fühl mich sonntag.

aesthet

letzte weihnacht oder um den fünfundzwanzigsten

weihnachten oh was für ein schlamassel die ganze familie auf drogen oder mindestens besoffen alles liegt in schnee gehüllt die ganze landschaft wunderschön und weiß alle haben denselben teint etwas zu rot vom alk oder von der hitze es wird alles geklärt was sonst nie gesagt werden würde plötzlich sagen alle wen sie lieben und noch mehr was sie an den anderen bis aufs alkgetränkte blut nicht ausstehen können tagelang sitzen alle aufeinander und die nüchternheit kommt erst wieder wenn die supermärkte wieder auf haben so lange sind alle einem zauberhaften rausch verfallen weil sich keiner dem grause nüchtern stellen will alles verschwimmt einer bricht das schweigen mit einem leise angestimmten liede keiner stimmt mit ein weil es ein erfundenes lied ist dessen text auch keiner versteht irgendeine fantasiesprache wahrscheinlich alle schauen sich komisch an und sagen nichts kurz bevor sie das stimmengewirr munter weiter am leben erhalten ein paar sind schon eingeschlafen mit ihren roten gesichtern schauen sie aus wie krebse in rollkragenpullovern wieder einer fängt an zu tanzen es spielt aber keine musik alles verstummt erneut eine komische situation fürwahr

aesthet

im rausch der nacht

im gehen über diese fußsache nachdenken und gleichzeitig immer die obersten wohnungsfenstern ansehen. das da sieht aus wie ein vollmond. sterne gibts auch. und raketensausen. oder astronautentinnitus. warum immer weltraumassoziation. die meisten schilder und autos sind rot. diese stadt hat keine brauchbare suchfunktion. man kann höchstens hingehn und nachsehn. und sich korrigieren lassen, von ampeln, schildern, schlenderern und anderen. füße: kalt. über rote ampel gehen.
wahnsinn, wie das geht, dass man gar nicht so weit geht, und schon ist man da wo das so voll und besoffen ist, dass die die kneipentür offenlassen müssen, damit denen keiner erstickt. mit trinksprüche, aber die allerallerprimitivsten. oder halt doch wieder raus. gibt halt bier, aber gibt bier halt? ha ha wenn ich poetisch sein will, das könnt der titel werden. man sagt ja nicht mehr überschrift. überschrift ist volksschuledeutschaufsatz, wo man dazwischen noch zierzeilen macht. auf den topfpflanzenblättern vor mir und dem blick aus dem fenster ist genauso viel staub wie unter meinem bett, behaupteterweise.
was alles gleich leer ist von hinten, wer vorbeigeht und hannibal fliesen vorne. das ist wirklich voll da. wo würde ich stattdessen hingehen, wenn ich mehrere wäre? auch nur da, um meine leisesten zweifel davon zu überzeugen, dass es keine ernsthaften unterschiede macht und übrigens auch keine spaßhaften, ob ich nun hier oder zuhausegeblieben bin. im rücken den ruhestein. ich glaube nicht, dass urs weiß, dass ich ihn ruhestein nenne. ich glaube aber an die straßenbahn und alle, die drinsitzen. super find ich auch das:
<grafik>
extrem super. aber nur kurz. wo bleib der pfeil stecken, wenn er vom schild weg volle kanone in pfeilrichtung lossaust?
ein dreiviertel bier und ein paar bekannte gesichter später habe ich dne geruch der kneie eins zu eins übernommen. hier geht inzwischen allerhand vor sich: ein typ vor mir shcaut seiner freundin, die die gleiche frisur hat, intensiv in die augen. ein anderer typ, der auch die gleiche frisur hat, hat sein shirt ausgezogen und wird dafür lautstark von seinen freunden bejubelt. eine frau trägt einen extra eleganten satin rock und kann gut den hüftschwung richtung klo. ein mädel in lederjacke, passfit – einschub: ein mädel aus der typ-oben-ohne-ecke zieht ihren ausschnitt runter und zeigt einen nippel. gejubel bleibt aus. – einer redet nebenan unfassbar viel. das lederjackenmädel sitzt jetzt schon nicht mehr so nichtmitanzusehen unbequem und puppe auf dem schoß ihres freundes, der nun wichtig auf die uhr schaut. er lacht kurz und meckernd, nimmt einen knappen schluck aus seinem kleinen glas und einen zug zigarette, alles gleichzeitig. er hat eine brille und eine linkslahmgelegte gelfrisur. die person, deren namen ich mir nie merk, nicht weil ich arrogant bin, aber weil wir uns nichts zu sagen haben, reduziert den anfangs erfreuten smalltalk auf dieses weit in der vergangenheit zurückliegende haareschneiden, als wir nacheinander dranwaren; ich gehe nicht darauf ein und füge nahtlos eine andere unterhaltung mit einer anderen person an, die dann nahtlos zum tischfußball übergeht. ich setze mich und mein bier in eine alles im blick und ohr habende dunkle ecke des raums. aus dem nichtraucherbereich zieht ein laues lüftchen herüber, jedes mal, wenn jemand von dort aufs klo oder zur bar geht, am ende riechen sie alle auch wie der staub auf den platiktopfpflanzen da hilft das ganze tapfer-sich-hinter-der-glasscheibe-verhalten nichts. wenn das nebenan ein anderes lokal wäre und die glaswand dazwischen eine landesgrenze und das land auf der anderen seite zum beispiel tirol oder türkei. oder noch ganz was anderes. deutschland. und ich könnte kein deutsch. dann würd ich rübergehen und lauschen. oh, merk ich grade – ich amüsiere mich prächtig allein mit bier und kugelschreiber und papier und was sich reimt ist gut und es geht nicht immer um außen und aber ein bisschen lust hätt ich schon aber nicht auf und naja das muss man aushalt ist ja bloß nett gemein und kommunikativ wie leute mich jetzt ansprechen würden:
1)
leute: ist der noch frei? (stuhl)
ich: ja.
l: kann ich den nehmen? (nimmt stuhl)
2)
leute: was schreibst du denn da?
ich: liebesbrief.
l: darf ich lesen?
(wenn ich noch ein bier trinke, bin ich betrunken) leute lächeln anmutig und tragen das hemd ordentlich mit gürtelrose
reflex: aufs handy schauen. stattdessen: gähnen. es gibt von mir einige kindheitsfotos, auf denen ich mein ohr halte. in letzter zeit wieder öfter gemacht. heute drei oder viermal urtinnitus. wo? gestern in dem geschäft mit dem scherentürgriff. leute tragen arschglatte bobfrisuren und rauchen gestikulativ. die daneb
van allen gürtel, oft dran denken ohne zu wissen was ist. wär ja sonst auch egal wenns egal wär würd ich träumen und zwar so! wär ich ein mann hätt ich einen kinnbartwuchs und würd über die stoppeln streichen wie ein landstreicher über sein land. aber ich hab ja pickel. nebenan: „aber die ganzen medizinstudenten..“ und das was ich weglass, warum lass ich das weg?
leute stützen kinne auf hände und stecken brillenbügel in nasenlöcher und sind überhaupt schiach mit ihren gelhaaren und biermägen und cloudrapvorlieben. ich kann die husten hören, mit dem bob, laut und humorlos und der strumpflänge gerechtwerdend. dass mich niemand sieht, das soll, glaube ich, so sein. mittlerweile im blick: ein haufen brennender tschick, eine fürchterliche flasche wein mit so glitzergeschenkgeburtstagskramband dran – wieder laue nichtraucherluft – ein ventilator, der still und antiquarisch an der decke hängt, weniger gesichter und lege die füße hoch. das nippelmädel zeigt wieder ihren nippel, ihre freundin steigt über sie drüber und wischt ein glas vom tisch. der arschglatte bob sieht stehend wie ein geier aus. jemand riecht nach dem parfum „nicht von hier“
nebenan redet der typ, der vorhin für seine freundin noch ein bier bestellt hat, in unverändertem tempo immer noch unfassbar viel. ich verstrahle einen grad an charme, der gegen null geht, weswegen sich niemand in meine nähe wagt, jedenfalls nicht mit der körpervorderseite in meine richtung, ich kriege höchstens hinterköpfe und parfümierte ärsche ab, so berachtet macht das überhaupt nichts, dass ich gleich wieder gehe. ich kann ja noch ein bisschen biertrinken und gähnen und schreiben, dann tschüss sagen und mich in den nichtraucherraum oder deutschland setzen. wie albern, dieses kramen nach daseinsberechtigung. di- vergessen, wie das wort aufhört, wegen unterbrechung !reality live! wie mich leute ansprechen 1) ist eingetroffen. 2) beinahe auch, wenn seine freunde ihn nicht mit happy birthday…dear bene unterbrochen hätten. die verlegenheit, in die man gerät, während leute das singen, ist nicht cool wegzubehaupten, das geht nicht, hab ich jedenfalls noch nicht erlebt. aus dem nichtraucherraum kommen leute zum rauchen raus und der tüp, dem ich jetzt ein ü aufsetze, weil ich den so doof finde, labert noch immer unverändert seine arme freundin in grund und boden, während sie sich reserviert am hals kratzt und an dem bier nippt, das er für sie bestellt hat. er stellt wagemutig behauptungen auf, sie reagiert verunsichert, der typ mit der gleichen frisur hat seine haare gelockert, stuhl um stuhl entgeht meiner ecke und einer hat seine jacke unter meine füße auf die bank gelegt („ist da noch frei? störts dich, wenn ich da..“) bene hat geburtstag und zwar lautstark und in anwesenheit seiner niesenden liebsten. für die alle gibts jetzt schnaps. und höhlenmenschartiges gegröl. meinwajöeofijwoiefjaölkwöf alksjdf reflex handyschauen ich glaube ich werde überdrüssig des beobachtens und alsdann mich bewegen, sonst fragt bald wer meinen mantel, obs ihn stört, und setzt sich auf mich drauf. bene hat geburtstag und hält sich eine frau vom leib. sie grinst. von allen seiten reden leute auf bene ein. parfumwolke schwebt erneut heran und vermittelt leise: geh, wenn du morgen nach was riechen willst.

aesthet

belauschte gespräche im internet

ich habe mich in eine leberkäse community eingenistet und belausche fortan hoheitlichen kulinarischen austausch.

29.10.2018

Hallo erst mal und danke für die aufnahme. Hier meine erste LKW story für euch: War vorgestern gegen 21:00 im Rewe und hatte den ganzen tag noch nix gegessen (monatsende like wer kennt) konnte mit müh und not noch die 1,10€ (die preiserhöhung macht mich wahnsinnig) für ein leckeres LKW von der heissen theke zusammenkratzen. Dann der Schock: die Fleischereifachverkäuferin war gerade dabei die verbliebenen wurstwaren aus der auslage zu räumen. Kein Leberkäs weit und breit! Mich verzweifelt an ein letztes bisschen hoffnung krallend trat ich entmutigt vor sie hin und fragte ob sie nicht eventuell irgendwo noch ein bisschen fleischkäse übrig hätte. Und dann…als sie ein mütterliches lächeln auf den lippen, mir verschmitzt zuzwinkernd nach hinten verschwand und zurückkehrte mit einem wunderschönen, goldbrauenen, nagelneuen fleischkäse…als sie mir zwei extradicke scheiben abschnitt, sie mit müh und not auf ein brötchen balancierte und auf die tüte ein etikett für EIN LKW klebte…da war es mir so als hörte ich egelschöre…und ich wusste dass ich die frau fürs leben gefunden hatte. Hochzeit is nächsten monat. Sie hat gesagt sie muss noch überlegen.

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27.10.2018
Hallo Leute, meld mich heute noch mal von Rewe’s heißer Theke hinter dem Felsenkeller.
Diesmal mit einem richtigen Leberkäse post und ich muss sagen es war einfach spitze, wenn nicht eines der besten LKWs bisher in Leipzig.
Die Konsistenz, der ausgewogene Geschmack, das Brötchen, der süße Senf und vor allem der Preis von 1euro haben mich absolut umgehauen. Muss immernoch an diese schönen 2min des Hochgenusses denken.
Schaut ruhig vorbei wenn ihr in der Nähe seid und der kleine Hunger kommt.
Also, bis zum nächsten mal.
Euer Lkw Kumpel

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Klingt echt hervorragend.
überlege nur deswegen mal in den westen zu fahren
Wow!
26.10.2018
Spar Österreich (vegan)

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Blasphemie!
hat es denn geschmeckt?
Theodor hat offenbar noch nie vegan gegessen!! Die Frage erübrigte sich sonst, speziell in einem Lkw-Zusammenhang. omg
Was ist das denn?!?!!!
Ich erbreche eine cascade
Ban bitte…
Gab’s süßen Senf dazu? Kaiserbrötchen!!! In leberkäse ist ja auch kein Käse, wieso sollte in leberkäse überhaupt was tierisch sein. Lolol. Viele Grüße nach Wien.
Atomarer Winter! Jetzt!
Wo gibt es gutes Brot im Brot in Leipzig etc.?
Die Gefühle kochen hoch im LKW Fandom 😀
Da kannst du bei PETA ein paar likes bekommen, aber meins nicht!
Ohne mich!
Ich bin so wütend!
27.10.2018
Guten Morgen.

Der Peter und ich haben heute den hochgelobten LK an der Heißen Theke im Rewe HBFL getestet.

Zur Auswahl standen unter andren LK und PK. Auffällig und zur unserer Empörung lagen neben dem saftigen Laib LK zwei bereits abgeschnittene Scheiben, von denen ich eine auf ein viel zu krossem Bäckerbrötchen serviert bekommen habe. Geschmacklich war der LK top, fein gewürzt und sehr zart. Als Senf reichte man uns bautzener – leider keinen süßen Senf. Für das LKW vergebe ich eine 7/10.

Ab hier übernehme ich (Peter) das Review für das PK, um ein qualitatives Feedback zu gewährleisten.
Bezüglich des Brötchens schließe ich mich Emanoel an. (-2) Der PK war äußerst saftig und zart, hervorzuheben sind die großen Paprikastücken, die der Mahlzeit einen gesunden Anstrich verliehen haben.
Enttäuscht hat mich, dass im Vgl. zum Hit PK keine zusätzlichen (salamiartig) Fleischstücken im PK waren. (-1) Käse war top. Alles in allem eine Empfehlung für alle Reisenden und auch alle, die angekommen sind .

7/10

Wir wünschen allen LKW-FreundInnen ein schönes Wochenende.

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Ketchup!?
die einzig richtige Wahl, um möglichst nah an ein pizzaartiges Geschmackserlebnis zu kommen.
Tut mir Leid Peter. Ich schätze deine Meinung sehr, doch hier gehen unsere Geschmäcker auseinander. Senf hat imho nichts auf einem vernünftigen LKW zu suchen. Ich wünsche euch beiden dennoch ein angenehmes Wochenende!
Uneinige LG
Danke
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lol
26.10.2018

reisebericht: köln – ein zustand

man wabert in dieser hitze, rediglich. ein in der hosentasche vergessenes kaubonbon, an körperwärme zergangen, im regen aufgedunsen, von der waschmaschine durchgenudelt, durch den trockner gesiebt und dann aus den fasern gepult, das ist, wie man ist. heiß weiß meist nicht wohin. orientierungslose gänge am gang und durch türen um zu sehen, wo die hitze sich verzieht. wohin sie geht, braucht man nicht wissen, immer da wo sie nicht ist, ist man besser. das merkt man dann schon. schweiß rinnt einem wild durchs gesicht und überhaupt, aus allen poren spritzt es hervor und man muss achtgeben, nicht in einer eigens zusammengeschwitzten pfütze auszurutschen und sich hinterher dann noch zu erkälten, weil der wind, zwar mitnichten vorhanden, doch ausreichend für einen mittelklasse schnupfen wäre. das frühstücksmassaker überrestlich zu boden und in die ritzen gelaufen, das buttermesser zur schmiedewaffe erhitzt auf dem holzbrett, das kurz davor ist, feuer zu fangen. verkehrsspiegel schmoren bedauernswerten kinderwagenschiebern die fadigen haarreste vom kopf. an den händen kleinkinder, deren eis, kaum angeleckt…
man weiß absolut nichts, was man in dieser stadt noch anzufangen hätte. nichts. und deswegen fängt man das auch an, nichts. so nichtstet man vor sich hin, zaghaft erst, dann fester und irgendwann ganz entfesselt und aus vollem hals. zum speiben. da ist nichts zum speiben. mir nichts, dir nichts, hier nicht, dort nicht. die stadt ist leer von bekanntem, ausgeräumt wie eine einzelne wohnung, damit sich die hitze besser ausbreiten kann, die leute an den rändern rausgedrückt, in die paar pfützen und lacken, die ganz verdreckt und vermenschelt jedes jahr kurz vor dem umkippen stehen. es riecht nach von schweiß aufgeweichter und auf asphalt verbrannter haut. jede wolke verkneift sich das regnen und die balkonpflanzen verdörren bitterlich in ihren kästen, wo die erde staubtrocken von knarzigen wurzeln bröselt.
anfangs war das ja noch ganz lustig, das ständige klagen über hitze und ding, aber irgendwann ist die lust dem vollkommenen schrecken gewichen und das dasein ein höchst lebenswidriges fleuchen auf knien in gottes ersichtlicher ungnade. eines steht fest: da kann nur ein heiliges wunder helfen. ein gerichtliches verfahren löst sich in wohlgefallen auf wie eine vitamin d brausetablette in lauwarmem wasser.

aesthet

thema.perspektive

Kürzlich war ich war bei einer Münchner-mit-Money-Performance mit hyper hippem Künstler Publikum, stand während der gesamten Afterparty zum Fenster, Blick zum Hof, und habe folgenden Text geschrieben.

alles geschieht in meinem rücken und das ist nicht wenig. mein rücken ist weit ausgeschnitten. blicke auf meinem rücken vielleicht. vielleicht geh ich dann. heim oder gehen einfach. gehen einfacher als bleiben in dem fall. von fall zu fall tiefer. oder abstürzen. nicht unbedingt aber gehen vielleicht. reden und gehen. auch romantisch. aber eher gehen. gehen und einfach nicht bleiben. weit wärs nicht da hinunter. weiter als eine ebene vielleicht. eine ebene tiefer als der rücken. noch einen zentimeter tiefer und ich gehe. drauf los oder hinaus. drauf los eher schwierig in dem fall. einfach gehen einfacher in dem fall. ist mir auch alles ein bisschen zu abstrakt. rotes licht und leute. gegebenermaßen rote leute. aber nur in dem licht und nur in dem fall. ansonsten kein fall aus dieser höhe. höhe schwierig. fall klar. der punkt ist ja, dass alle fallen. in jedem anderen aber hier bleibt man stehen erstmal und schaut. das ist nichts für mich. ich schaue mit dem rücken und falle vorwärts aus dem fenster wenn ich falle. man blickt beim fallen auf den rückenausschnitt auf den schnitt auf perspektivenwechsel und blick auf den rücken aber von unten. noch weiter rauslehnen und ich gehe ab. kein fall in meinem fall. aber fälle. alle fälle führen nach unten und in jedem anderen fall träfe das auch auf mich zu. oder auf den rücken. nach blicken. blickdicht ist das licht nicht. aber gesetzt den fall. dann würde es auch anders gehen. apropos gehen. ich glaub ich geh jetzt.

Und ob man den Performance Text á la wir fliegen gemeinsam zum Mond und kochen Spaghetti auf Jupiter und reden aneinander vorbei gut fand oder so wie ich, ist auch eine Frage der Perspektive, der Hersteller desselbigen war jedenfalls zufrieden.

aesthet

Thema.Wunden

Im Innenhof der Wohnung einer Freundin, die ich letzte Woche in Graz besucht habe, steht ein Kirschbaum. Voller kindlicher Lebensfreude stand ich auf einem Stuhl unter dem Kirschbaum und streckte mich nach den reifen Kirschen, süßer Saft des Sommers. In einem Anflug von ichweißnichtmehrwas (weiß ich wirklich nicht mehr jetzt im Nachhinein) brach ich eine der schönen roten Kirschen entzwei und sieh an! – ein Wurm windet und suhlt sich im beigen Bauch des Früchtchens. Mit Würmern habe ich wirklich so etwas wie ein Problem, einen inneren Konflikt sozusagen, wenn sie sich in etwas verstecken, das mir potentiell als Nahrung dient. Dann mag ich sie nicht. Die wahrscheinlich einprägsamste in meiner Kindheit gesehene Filmszene ist diese aus „Die Mumie“, wo einer der Guten plötzlich ganz viele kleine Würmer unter seiner Haut entdeckt, die sich bis in sein Herz hinein- und ihn von innen auffressen. Das ist mit das Grausigste, was ich bis dato gesehen hatte. Oder diese Szene aus „Into the Wild“, wo die Fliegen Eier ins Elchfleisch legen und alles voller Maden ist. Einmal habe ich einen Kuchen gebacken in der Küche eines Lokals, und eine Made im Backpulver gefunden.

Wurmen.

Wunden.

Als Kind hatte ich eine kleine gelbe Ente, ein Laufrad, damit bin ich auf unserem Vorplatz herumgefahren, zweieinhalb war ich da vielleicht oder drei. Nach einer Weile ist mir das wohl zu langweilig geworden und da hab ich das Entenvieh über den Schotter auf die Einfahrt hinaufgezogen und bin die gleiche Strecke umgekehrt nach unten gefahren, hatte dann einen Kieselstein im Schädel und die Ente nie mehr bestiegen.

Eine zweite tierbedingte Wunde – wobei ich nicht weiß, ob man das Wunde nennt, wenn’s ein Bruch ist, verwundet würde man da eher nicht sagen, oder – bekam ich – wobei ich nicht weiß, ob man das bekommen nennt, wenn’s einem so ungewollt passiert – mit fünf, von einem Esel abgeworfen, Oberarm gebrochen. Da war mir dann schlecht und am Nachhauseweg vom Krankenhaus durfte ich am Rücksitz liegen und Trauben essen wie Cäsar. Warum wird das C bei Cäsar wie Z gesprochen und nicht wie K?

Meine schönste Fahrradwunde hatte ich mit 16, als ich von meiner ersten Ausbruchsreise ans Meer zurückgekehrt war und meine Eltern heilfroh, dass mir nichts passiert war in der wilden Fremde. Am Abend wollte ich schwimmen gehen, voll in die Pedale getreten, Straße leicht abwärts, dann gesehen, dass da eine Schnur quer drüber gespannt war, von meinem Vater, wegen der Kühe, da hab ich gedacht, scheiße, wenn ich jetzt bremse, haut’s mich hin, und wenn ich nicht bremse, wickelt’s mich rum, also was mach ich, ich lass es einfach mal auf mich zukommen, das ging dann relativ schnell, hab dann gebremst, mit vollem Schwung einen Salto oder einen doppelten gemacht, das ging so schnell, das weiß ich nicht mehr, und voll auf die Fresse natürlich. Cut am Kinn, blutüberströmt zur Mutter gegangen, Mama, ich glaub, ich bin hingefallen. Da wurde ich zum ersten Mal genäht.

aesthet.

 

Wichtiges zu Lavalampen

In der Ratgeber-Redaktion gefragt, was tun, wenn die Lavalampe nicht mehr vollgefüllt mit Flüssigkeit:

Nur wenn Sie die Lavalampe öffnen können, haben Sie eine Chance. Meisten erkennen Sie den Teil, den sie öffnen können, an der Beschriftung, dass man die Lavalampe nicht öffnen darf.

Denken Sie immer daran, dass Sie nicht, wissen was Sie in der Lavalampe erwartet, und dass es auch gefährlich werden kann, besonders bei Uralt-Lavalampen.

Vorsicht wenn dort steht, dass man es auf keinen Fall darf, denn das könnte ein lebenswichtiger Hinweis sein. Die Flüssigkeit könnte giftig, brennbar oder explosiv sein. Billigprodukte aus Fernost sind da manchmal kleine „Kampfstoffeinheiten“. Es könnte zu einer Explosion mit anschließendem Brand kommen. Immerhin gab es schon einige Vorkommnisse mit Lavalampen.

Trick die geheime Flüssigkeit in Lavalampen zu erkennen

Oft steht schon etwas auf der Verpackung. Nehmen Sie mit dem Hersteller Kontakt auf. Immerhin könnte so eine Lampe zerbrechen und ein Kind die Flüssigkeit trinken oder Dämpfe davon eingeatmet werden. Also: Suchen oder beschaffen Sie sich das Sicherheitsblatt. Es müsste bei den Unterlagen der Lampe sein. Wasser und Salz können die elektrische Sicherheit der Lampe beeinträchtigen, auch macht es einen Sinn Wasser oder Salz in eine unbekannte Flüssigkeit zu schütten.

aesthet

Im Flitzbus

Der Flixbus rast durch die Nacht, nein, gleitet, nein, auch nicht. Er dümpelt mit zahlreichen Zwischenstops richtung Wien und als ich zum dreiundzwanzigsten Mal aufwache, spricht der Fahrer plötzlich tschechisch. Als ich zum fünfundzwanzigsten Mal aufwache, ist mir plötzlich speiübel. Das zweistöckige Monstrum schwankt wie ein Schiff bei rauer See und ich kann jeden einzelnen Flixbusfahrgast riechen. Ich überlege, wann mir zum letzten Mal so schlecht war. Ich überlege, ob es angebracht wäre, den Fahrer über meine Lage ins Bild zu setzen und ihn zu bitten, kurz anzuhalten. Ich überlege, ob es sehr unangenehm wäre, wenn ich dann doch nicht kotzen müsste. Ich gehe einen Stock tiefer zur Bustoilette, der Gestank dort ist schlimmer denn im Rest des Schiffes. Süßlich-alkoholischer Desinfektionsmittelgestank. Ich lasse das Kotzen bleiben und verweile bedacht atmend im unteren Bordteil. Als ein Schild mit der Aufschrift „Kagran“ über der Autobahn erscheint, überlege ich, wann ich zum letzten Mal so erleichtert war. In „Wien Erdberg“ wanke ich aus dem Bus und hinüber zur U3. Den ganzen folgenden Tag ist mir übel und ich bin zu schwach, für Kamillentee und Zwieback in den Supermarkt zu laufen. Ob es wohl besser gewesen wäre, ich hätte einen Flug gebucht?

aesthet

Bildergebnis für zwieback

Weiter Richtung Wienerwald. Tauwetter.

Wilhelminenspital, 7. März, zwischen 11:30 und 15:00

 

Mitzi, konnst du des Bettzeug nehmen?

Fragt die alte Frau im Rollstuhl gegenüber, der junge Mann nebenan nimmt ihr das zerknüllte weiße Laken vom Schoß und legt es auf den freien Stuhl neben mich. Ein paar Augenblicke später sagt sie zu ihm, können’s ma ned des Genick grade biegen? Nein, sagt er, ich bin kein Arzt.Die Ärztin, die mich vorhin untersucht hat, hastet durch die Wartenden auf mich zu und flüstert mir unter vorgehaltener Hand ins Ohr, Sie sind eh nicht schwanger, oder? Ich lache, in dieser absurden Kulisse aus vor sich hinstarrenden, vorwiegend alten Menschen, aufgerissenen Augen und Mündern, zahlreichen schmerzverzerrten, in Demenz erstarrten Gesichtsausdrücken und einer Handvoll teilnahmslos auf Mobiltelefone konzentrierten Jugendlichen ist ihr die Frage deutlich peinlicher als mir.

Können Sie bei mir auch irgendwas machen! Sagt die Frau mit der Perlenkette im Rollstuhl zu dem Sanitäter, der eine andere Frau im Rollbett hinausschiebt. Nein leider, sagt er, ich bin kein Arzt.

Herr Jesus, lass diesen Kelch an mir vorübergehen, sagt eine andere Rollstuhlbesetzerin, als ihre Begleitung ihr Wasser im weißen Plastikbecher reicht. Hunger hab ich, sagt sie, gibt’s denn do nix zum essn, sagt sie, in der Früh san die Sanitäter kumman und jetz is ma scho langsam schlecht.

Vanessa, prangt in krakeliger Tätowiermanier auf dem Unterarm des zahnlosen Pflegers, der die Frau Stahlbüttel in ihrem Rollstuhl wie einen Einkaufswagen schwungvoll wieder an ihrem Parkplatz in der Wartereihe deponiert, wo sie von ihrer Begleitung bewirtet wird: Pizzaschnitten und Apfelsaft aus der Tüte.

Jemand schreit: Die Fiaß tama so weh!

Es ist drei Stunden später. Langsam verebbt meine Faszination für diesen Ort.

Was tut ihnen denn weh? Die Fiaß, mir tun die Füße weh, wiederholt sie. Philip Mai Kabine zwei, tönt es aus dem Lautsprecher. Und: Frrau Kunst Nicole in Rrröntgen 11, Kunst Nicole in Rrröntgen 11. Schon wieder nicht ich. Frau Stahlbüttel nuckelt am Strohhalm und schüttelt skeptisch das kleine Tetrapäcklein, hört einen Rest Apfelsaft darin herumschwappen, zieht den Halm heraus und saugt den Rest direkt aus der winzigen Öffnung.

Herr Wolfsgruber wird abgeholt, mein Unterhaltungszivi verschwindet ohne Grußworte. Er hat nämlich um 15 Uhr Schluss. Ein dünner Wasserfaden rinnt seit geraumer Zeit aus dem Wasserhahn in das Metallbecken.

Meine Ärztin winkt mir zu: ich komme gleich, ja. Frau Stahlbüttel bekommt nun Nachtisch angeboten: Krossant MIT Schokolade und ohne, MIT Schokolade, sage ich in Gedanken. Ich gehe rüber zum Wasserhahn und drehe ihn ab. Die Fraktur ist komplett knöchern durchbaut, sagt die Ärztin und reicht mir den Befund. Schönen Tag, wünsche ich ihr.

Vorbei an Bestatter Altbart, aus den Lautsprecherboxen im Spar singt Dusty Springfield. Love is kinda crazy with a spooky little boy like you.

Endstation 48A, hinauf Richtung 2. Lungenabteilung, Annenheim, gen Küche, ob ich einfach mein Mahl in der Küche des Otto-Wagner-Krankenhauses einnehmen soll.

Vorbei an der Psychiatrischen 3. Abteilung, aus der Klaviermusik schallt. Weiter Richtung Wienerwald. Tauwetter.

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