Zwei Reisen

Seit der Sommer die Stadt unter sich begraben hat, geht er gerne mit einkaufen. Sie stehen vor dem Kühlregal und laden mariniertes Grillfleisch in den Wagen. Eigentlich würzt sie lieber selbst, aber bei der Hitze… Kein Wunder, dass sie in Afrika zu nichts kommen, die Armen. Eigentlich müsste man raus aus der Stadt, der elenden:

Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,

aus Handwerks- und Gewerbesbanden,

aus dem Druck von Giebeln und Dächern,

aus der Strassen quetschender Enge.*

Dahin, wo die Sonne keine Strafe ist. Auf den Koffern liegt der Staub von 3 Jahren. Sie fahren im Morgengrauen los, er muss bis Mailand nicht auf die Karte sehen. In der Hafenstadt steht der Verkehr. Die Fenster bleiben oben. Sie wollen keine bettelnden Hände im Wagen, und schon gar keine stehlenden. Die Fähre geht um 10, es wird knapp:

Und, bis zum Sinken überladen,

entfernt sich dieser letzte Kahn.*

Die Insel ist auf Besucher eingestellt: Morgens sammeln Jugendliche in gelben Westen das Strandgut ein, dann rammen Urlauber ihre Schirme in die unberührte Natur.

Im flachen Wasser ist es warm, die Wellen halten sich zurück. Er schläft er auf der Luftmatratze ein. Eine Stunde später ist er verschwunden, die Luftmatratze auch. Am Nachmittag beginnt sie, sich ernsthafte Sorgen zu machen. Sie nimmt seine Sandalen mit zur Polizei.

Der Gerettete liegt im Krankenzimmer und ist sehr erleichtert. Sie haben ihn gerade noch rechtzeitig gefunden, er trieb 22 Kilometer vor der Küste. Völlig unterkühlt, mit einem schweren Sonnenstich. Er redet wirr und halluziniert. Die dünnen Laken tun gut auf der verbrannten Haut. Auf dem Nachttisch steht ein Blumenstrauß, jemand dreht den Ventilator in seine Richtung. Danke, denkt er:

Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!*

Auf dem Gang brüllt eine Frau: DAS IST NICHT MEIN MANN!

 

*aus Goethes Osterspaziergang

chronist