staud’s beschwipste jahresweichsel

ich bin als erste wach und rette mich in einen kapuzenpullover vor der kälte, die beim schreiben in die finger kriecht und an den füßen knabbert. der himmel ist grauer als gestern, als giovanni sagte, er habe das gefühl, alles, was aus seinem mund komme, sei sauer, und luis erwiderte, er auch, während er an einer zitrone lutschte. ich saß drei stunden regungslos am küchentisch und portraitierte den kühlschrank, bis paul kam, als ich eben den schatten der mon cherie packung bearbeitete, die packung nahm, nach inhalt sah und anders wieder zurücklegte.

Bildergebnis für weichsel

es ist zeit, das neue jahr technisch ernst zu nehmen, wenn im email eingang nachrichten von der uni erscheinen. am dritten januar wird also wieder „zu arbeiten angefangen“. einen literarischen text zum jahreswechsel schreiben, sich ein bisschen über den bildschirmrand der welt hinauslehnen und dem himmel beim grausein zuschauen. wenn ich runterfalle, fühlt sich das parkett wie zuhause an und man könnte irgendwie weich landen. aus angst tuts dann trotzdem weh. nüchtern kann man unter umständen am besten besoffen schreiben. unter anderen umständen mitunter nicht. auf andere fälle lassen sich türen mit unverbogenen schlüsseln leichter öffnen. die welt ist die welt vor der wand ist die wand ist die welt hinter der wand. kitschige lieder im radio und raupen auf steinen; tunke den bleistift in milch und schaue dem vater die schwarzen locken ab; die wörter verschwinden in seinem mund und weg; diese raupe ist eine kugelschreiberspiralfeder, sprunghaft und haarig. sie robbt davon. ich sitze im erdbeergeröll, da, im menschlichen minus; esse erdbeeren; woran ist das scheitern gelehnt? und steht es da gut? der kaffee greift meinen magen an, ich fühl mich sonntag.

aesthet

 

Hab mal wieder die Kontrolle über meine Körper verloren. Ich weiß nicht, ob ich Hunger oder Durst habe oder eigentlich viel zu voll bin oder müde oder ob ich Muskelkater habe oder einen Herzinfarkt. Bin nur froh, dass auf dem Weg von Köln nach Hamburg alles so unendlich zumutbar ist. Die Temperaturen im Flughafen, die Wartezeiten, die Fußwege. Nur die scheiß Menschen nicht. Hinter mir sitzt ein Geschöpf mit Stinkefüßen und Husten. Eines von beiden hätte zu meiner Verärgerung schon gereicht, aber vereint bringt es mich zum Hassen. Das Geschöpf ist ein kleiner dicker Junge. Zum Glück hat er erst beim Landen mit dem Husten angefangen. Neben mir ist frei. Am Gang sitzt eine Frau, in deren Parfüm ich mich vor den Stinkefüßen retten kann. Ich weiß nicht, ob man das sagen kann: sich in etwas retten. Aber ich habe es gemacht.

chronist