Apropos verkleiden.

In echt habe ich ein Muttermal über der Oberlippe. Auf der Fotoseite in meiner Agentur habe ich keins. Der Fotograf hat es wegretuschiert. „Wahrscheinlich dachte er, es sei ein Pickel,“ sagt M. Und ich frage mich, in welchem Katalog wohl steht, was man wegretuschieren muss und was nicht. Gibt es dafür internationale Vorgaben oder wird das regional geregelt?

Wäre auch als App praktisch. Push-Mitteilungen:

+++ Zahnlückenregelung gelockert: Bis zu 3 mm gelten nun als zumutbar +++

+++ Ausschuss bleibt dabei: Lieber ein Muttermal zu wenig als ein Pickel zu viel +++

+++ Durchbruch an der Nasen-Front: Zugelassene Breite auf 5,3 cm erhöht +++

+++ Fun Fact: Heute vor 300 Jahren wurden rote Haare offiziell zur Betrachtung zugelassen +++

Die Idee, dass auch ungewöhnliches schön ist, ist eine der teuersten Errungenschaften unserer Zivilisation und deswegen mache ich jetzt diesen Tisch kaputt. Ich bin doch kein Blumengesteck, was man sich irgendwie zurecht zupft, weil man denkt, dass das halt so gehört. Wenn man Photoshop kann, könnte man doch andere Sachen machen als Pickel weg. Zum Beispiel einen Schnurrbart dran, oder einen Hering als Frisur. Schlage ich morgen vor.

chronist

2 Gedanken zu „Apropos verkleiden.

  1. Leider habe ich nichts gesagt, weil ich nicht so ein großes Trara machen wollte. Sonst wirft man mir noch vor, pedantisch zu sein. Aber immer, wenn ich dem Fotografen im Flur begegne, zeige ich auf mein Muttermal.

Schreibe einen Kommentar zu chronist Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.