reisebericht: köln – ein zustand

man wabert in dieser hitze, rediglich. ein in der hosentasche vergessenes kaubonbon, an körperwärme zergangen, im regen aufgedunsen, von der waschmaschine durchgenudelt, durch den trockner gesiebt und dann aus den fasern gepult, das ist, wie man ist. heiß weiß meist nicht wohin. orientierungslose gänge am gang und durch türen um zu sehen, wo die hitze sich verzieht. wohin sie geht, braucht man nicht wissen, immer da wo sie nicht ist, ist man besser. das merkt man dann schon. schweiß rinnt einem wild durchs gesicht und überhaupt, aus allen poren spritzt es hervor und man muss achtgeben, nicht in einer eigens zusammengeschwitzten pfütze auszurutschen und sich hinterher dann noch zu erkälten, weil der wind, zwar mitnichten vorhanden, doch ausreichend für einen mittelklasse schnupfen wäre. das frühstücksmassaker überrestlich zu boden und in die ritzen gelaufen, das buttermesser zur schmiedewaffe erhitzt auf dem holzbrett, das kurz davor ist, feuer zu fangen. verkehrsspiegel schmoren bedauernswerten kinderwagenschiebern die fadigen haarreste vom kopf. an den händen kleinkinder, deren eis, kaum angeleckt…
man weiß absolut nichts, was man in dieser stadt noch anzufangen hätte. nichts. und deswegen fängt man das auch an, nichts. so nichtstet man vor sich hin, zaghaft erst, dann fester und irgendwann ganz entfesselt und aus vollem hals. zum speiben. da ist nichts zum speiben. mir nichts, dir nichts, hier nicht, dort nicht. die stadt ist leer von bekanntem, ausgeräumt wie eine einzelne wohnung, damit sich die hitze besser ausbreiten kann, die leute an den rändern rausgedrückt, in die paar pfützen und lacken, die ganz verdreckt und vermenschelt jedes jahr kurz vor dem umkippen stehen. es riecht nach von schweiß aufgeweichter und auf asphalt verbrannter haut. jede wolke verkneift sich das regnen und die balkonpflanzen verdörren bitterlich in ihren kästen, wo die erde staubtrocken von knarzigen wurzeln bröselt.
anfangs war das ja noch ganz lustig, das ständige klagen über hitze und ding, aber irgendwann ist die lust dem vollkommenen schrecken gewichen und das dasein ein höchst lebenswidriges fleuchen auf knien in gottes ersichtlicher ungnade. eines steht fest: da kann nur ein heiliges wunder helfen. ein gerichtliches verfahren löst sich in wohlgefallen auf wie eine vitamin d brausetablette in lauwarmem wasser.

aesthet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.